Gastspiel: Vortrag der Deutsch-Französischen Gesellschaft (Mittwoch)

Vortrag von Suzanne Bohn
über SARAH BERNHARD, DIE GÖTTLICHE
(1844-1923)

Das Leben der größten Tragödin des 19. Jahrhunderts – Zum 100. Todestag

Sarah Bernhardt war zur Lebzeit, das was man heute einen Superstar nennt. Ein halbes Jahrhundert lang beherrschte die außergewöhnlich schöne Frau die Bühne der Welt. Ihre feline Erscheinung und ihre legendäre Gold-Stimme, welche einen ganzen Saal zu Tränen rühren konnte, wenn sie die „göttliche Eingebung“ hatte, machten sie zur berühmtesten Schauspielerin der Welt im 19. Jahrhundert. Legendär waren ihre Interpretationen der größten Frauenrollen des klassischen Theaters: u. a. Phädra, Kleopatra, die Kameliendame, Ophelia, Theodora, Esther, Agrippina, Roxane, Marie-Antoinette. Aber auch ihre Extravaganzen, ihre Star-Allüren und nicht zuletzt ihre zahlreichen Liebes-Affären sorgten für permanente Schlagzeilen, machten sie als erste Prominente des öffentlichen Lebens  zum bevorzugten Jagdobjekt der ersten „Paparazzi“ vor der Zeit.

Sie beherrschte die Kunst des Marketings, erfand als allererste den Starkult, inszenierte ihr eigenes Leben geradezu perfekt. In keiner Rolle war die begnadete Schauspielerin so gut, so unübertroffen wie in der Rolle der Sarah Bernhardt. Das Phänomen, das sie damals auslöste, kann man heute nicht mehr nachvollziehen. Es hat mit dem einmaligen Wirkungsbereich des (französischen) Theaters und dessen Monopol im soziokulturellen Leben zu tun, zu einer Zeit, da die Menschen Kino und Fernsehen noch nicht kannten. Die tüchtige Sarah Bernhardt war aber noch viel mehr als nur Schauspielerin. Sie war Theaterdirektorin, Managerin, Theater-Pädagogin und Bildhauerin. Sie leitete ein großes Unternehmen mit einer Horde Sekretäre, Dienstboten, Leibwächter, Bewunderer und einem Sohn und alle lebten von ihr und ihrer Arbeit.

 

Die Referentin entführt in die schillernde französische Zeit der Belle Epoque, deren Markenzeichen- in einer langen Friedenszeit zwischen 1870 und 1914- die Lebenslust und die Ausschweifungen sind.

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